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Persönliche Zusammenfassung der e-miglia von Christian Frei

Eindrücke von der e-miglia 2011

 

Montag 01.08.

Nach den intensiven Vorbereitungen der letzen Monate sind wir froh endlich in München angekommen zu sein. Jetzt noch das Fahrzeug vom Hänger abladen und alle notwendigen Dokumente am e-miglia Check-In Schalter abgeben. In den vergangenen Wochen kurz vor dem Start der e-miglia haben ich und unser Pilot Fuzzy Kofler intensiv daran gearbeitet alle technischen und fahrerischen Möglichkeiten auszutesten um den Stromverbrauch des Fahrzeugs, bei höchstmöglicher Geschwindigkeit, zu reduzieren. Unter anderem haben wir jeden zusätzlichen Stromverbraucher wie z.B. die Servolenkung eliminiert und in Anbetracht der zahlreichen zu befahrenden Alpenpässe jede erdenkliche Möglichkeit der Stromrückgewinnung, der sogenannten Recuperation bei Bergabfahrten ausgetestet. Wir sind also bestens vorbereitet und warten jetzt nur noch darauf dass uns der TÜV Süd die obligatorische technische Abnahme erteilt damit unser Fahrzeug zum laden an die bereitgestellte Ladesäule kann um für den morgigen Tag mit vollen Batterien an den Start zu gehen.

Beim Anblick des Teilnehmerfeldes, das von leistungsstarken und schnellen Fahrzeugen wie dem Tesla Sport Coupè, Sportwagen wie Porsche 911 vom Edeltuner RUF und Prototypen mit ca. 600 PS dominiert wird bekommen wir als Team mit einem Serienfahrzeug, einem reinen City Car, schon ein wenig Respekt da wir uns preislich und leistungstechnisch mit diesen Fahrzeugen eigentlich nicht messen können. Aber zusammen mit den anderen City Car Piloten trösten wir uns mit unserem Leitspruch … geht nicht, gibt’s nicht!
Und außerdem, die Rally geht über 800 km und abgerechnet wird bekanntlich zum Schluss.

 

Dienstag 02.08.


Offizieller Start der Rally um 9 Uhr. Uns allen steht der morgendliche Berufsverkehr von München und rund 190 km Landstraße am Schliersee vorbei durch Kitzbühel nach Mittersill. Wir sind vor Aufregung schon um 8 auf dem Parkplatz wo alle Fahrzeuge an den Ladesäulen hängen. Den anderen Fahrern ging es ebenso, auch sie sind bereits eifrig und bereiten sich auf den nahen Start vor.
Um 9 Uhr der Startschuss, die ersten Fahrzeuge brausen los.

Das einzige Geräusch ist das Klicken der Fotoapparate während der erste Sportwagen Tesla über den Parkplatz des TÜV Geländes rauscht und in den Berufsverkehr der Großstadt München einbiegt. Ich warte mit meinem Servicefahrzeug ab bis alle 32 Teilnehmer gestartet sind und mache mich dann auch auf den mühsamen Weg zu unserem Zwischenziel in Oberaudorf wo die Fahrzeuge zum Nachladen der Batterien über Mittag anhalten werden. Fuzzy Kofler, unser Pilot im Think City meistert in der Zwischenzeit mit der Hilfe seiner Tochter als Co Pilotin die erste Sonderprüfung in Sudelfeld, einer vorher vermessene Strecke von 4,4 km die in einer Zeit von genau 5 Minuten zu absolvieren ist. Da geht es nicht um Geschwindigkeit sondern um Präzision. Jede Abweichung von dieser Zeitvorgabe hätte eine Strafzeit zur Folge. Auch uns passiert ein kleiner Patzer, 8 Sekunden zu spät … was sind 8 Sekunden … für unseren Piloten Fuzzy Kofler eine Ewigkeit.
Mittagspause in Oberaudorf, Zeit für das erste Resümee, Kennenlernen der anderen Piloten und Teams und Strategiebesprechung für die nachfolgende Route. Da gibt es schon so einiges zu besprechen, zusammen mit dem Schweizer Team um Hansjörg Hosch suchen wir nach Abkürzungen und Schleichwege. Trotz modernster Technik, Navi und Co beugen wir uns über eine Straßenkarte und suchen die beste Strecke als Alternative zum Roadbook des Veranstalters. Man versteht sich gut, spaßeshalber sucht man nach der Abkürzung zur Luftlinie die dann voraussichtlich durch den Erdmittelpunkt führen müsste … man scherzt zusammen, tauscht Erfahrungen aus, die Zeit vergeht, die Batterien laden.


Re-Start gegen 16 Uhr, alle Teilnehmer sind optimistisch und meistern die restlichen 80 km über den Pass Thurn bis nach Mittersill. Die Fahrzeuge werden im Zentrum von Mittersill offiziell erwartet und seitens der lokalen Politik begrüßt. Als Rahmenprogramm gibt es einen Markt mit italienischen Produkten und Gutscheine fürs Abendessen.
Am Abend besuchen wir alle zusammen das Alpin Museum in Mittersill und warten im Anschluss auf die erste Zwischenergebnisse der 1. Etappe.
Wir sind auf dem guten 5. Platz. Da kann man beruhigt einschlafen.

 

Mittwoch 03.08.


Offizieller Start der 2. Etappe ist 8 Uhr. Es geht von Mittersill nach Bozen, das sind insgesamt 267 km die unter anderem über die Grossglockner Hochalpenstraße führen. Dabei ist eine Teilstrecke auf die Edelweissspitze in über 2500 Mt in einer vorgegebenen Zeit zu absolvieren die ein langsames und stromsparendes dahin bummeln unmöglich macht.
Aber vor dem Start der Schock für alle Teilnehmer. Irgendwann in der Nacht ist bei einigen Ladesäulen aufgrund eines technischen Problems beim Stromversorger die Spannungsversorgung teilweise ausgefallen. D.h. dass bei 13 von 32 Fahrzeugen die Batterie über Nacht nicht geladen wurde. Ein faire Bewertung wäre unmöglich. Die Rennleitung entscheidet schnell und im Sinne aller Beteiligten: es steht jedem frei diese Etappe zu fahren und dabei beliebig oft nachzuladen oder das Fahrzeug auf einem Hänger zum Ziel nach Bozen zu bringen. Sämtliche Zeiten und Stromverbräuche dieses Tages fließen nicht in die Bewertung ein. Trotz dieser Möglichkeit entscheiden sich fast alle Teilnehmer die Etappe in Angriff zu nehmen. Auch wir mit unserem Think City machen uns auf den Weg. Schließlich wollen wir wissen was wir aus unserem Fahrzeug herausholen können.
Bei herrlichem Sommerwetter ist die Fahrt über den Grossglockner ein Traum und wir genießen den Ausblick auf das umliegende Hochgebirge während wir die Serpentinen durchfahren und die kurzen Geraden dazu nutzen die vielen Touristen auf ihren Fahrrädern fast geräuschlos zu überholen.
Kurz vor 12 Uhr erreichen wir Heinfels in Osttirol kurz vor der Grenze zu Südtirol. Auf dem Firmengelände der Firma A. Loacker in Heinsfels sind die Ladesäulen bereits aufgebaut, aber bisher sind erst 5 Fahrzeuge angekommen. Viele haben sich auf der 144 km langen Strecke über  den Grossglockner ein wenig verschätzt und sind mit leeren Batterien stehen geblieben. Aber da die heutige Wertung eh nicht zählt, haben diese dann die Zeit genutzt um auf dem höchsten Punkt der Etappe, der Edelweissspitze eine längere Pause einzulegen.


Nach 4 Stunden Ladezeit in Heinfels machen wir uns nun auf in Richtung Bozen. Kurz nach der Grenze überrascht uns ein Gewitter das die Sicht und die Straßenverhältnisse derart verschlechtert, dass auch wir uns entscheiden, trotz genügender Batterieladung unseren Think für die letzten 80 km nach Bozen auf unseren Anhänger zu laden. Uns stehen in den nächsten Tagen noch 2 Bergetappen bevor und da ist es strategisch wohl besser Material und Piloten zu schonen. Wie richtig diese Entscheidung war, werden wir spätestens am Freitag sehen.
Gegen 19 Uhr treffen wir in der Messe Bozen ein wo bereits ein kaltes Buffet und ein kühles Bier auf uns wartet. Die Teilnehmer die die Möglichkeit hatten das Fahrzeug auf einen Hänger zu laden, haben diese Möglichkeit so wie wir ebenso genutzt und so sind nun der größte Teil der Fahrzeuge alle in Bozen eingetroffen. Die die jetzt noch fehlen müssen spätestens um 8 Uhr früh des darauffolgenden Tages auf dem Messegelände sein, sonst würden sie von der Veranstaltung ausgeschlossen.

 

Donnerstag 04.08.


Start der 3. Etappe über eine Distanz von 180 km (davon ca. 120 km Bergauf) beginnt mit einer Sonderprüfung im Safety Park in Pfatten. Bis zum Schluss sind alle Fahrzeuge doch noch in Bozen eingetroffen und machen sich im jetzt im Konvoi von der Messe Bozen aus in Richtung Safety Park. Die Prüfung die absolviert werden muss besteht aus 3 Runden wobei die 1. Runde ein Einführungsrunde ist und die 2 folgenden Runden in absolut der gleichen Zeit zu absolvieren. Jede hundertstel Sekunde früher oder später an der Lichtschranke bedeutet Strafsekunden. Hier ist Präzision gefragt, ein Vorteil für unseren erfahrenen Rally Piloten Fuzzy Kofler der diese Aufgabe mit Bravour bewältigt und nur 6 tausendstel Abweichung zwischen den beiden Runden einfährt.
Danach geht die Fahrt direkt nach Schlanders wo der ganze Fahrzeugtross zur Mittagspause Station macht und die Zeit wieder zum laden der Batterie benutzt. Ab jetzt wird auch der Stromverbrauch wieder gemessen und fließt in die Gesamtbewertung mit ein.


Anschließend geht es weiter nach Glurns und dann über die Grenze in die Schweiz. Unser Think schlägt sich wacker, ich fahre mit meinem Begleitfahrzeug nur für den Notfall hinterher und habe ebenfalls Zeit die Landschaft zu genießen. Über SMS bin ich in ständigem Kontakt mit unserem Piloten und lasse mich daher etwas zurückfallen. Mittlerweile haben sich im gesamten Teilnehmerfeld Freundschaften gebildet und der Fairness halber lasse ich andere Fahrzeuge an meinem Abschleppwagen vorbei damit sie ungehindert den Ofenpass erklimmen können. Da ich weiß dass unser Think bereits auf dem Pass angelangt und nur noch wenige KM von St. Moritz entfernt ist, fahre ich den anderen Fahrzeugen hinterher um bei einer eventuellen Panne eines Mitstreiters mit meinem Abschleppwagen zu Hilfe kommen zu können. Aber zum Glück ist das nicht nötig, alle Fahrzeuge schaffen die Etappe und kommen gegen 18 Uhr im gesperrten Stadtzentrum von St. Moritz an.
Nach dem alle Fahrzeuge eingetroffen sind folgt die Wertung des heutigen Tages: wir sind auf dem 4. Platz

 

Freitag 05.08.


Letzte Etappe und letzter Tag der e-miglia 2011. Heute stehen uns knapp 150 km über 3 Alpenpässe rund um St. Moritz auf dem Programm, das bedeutet insgesamt ca. 70 km bergauf und 75 km bergab wobei jeweils 2 Bergstrecken wieder mit einer festgelegten Zeit zu bewältigen sind. Abweichungen von dieser Zeitvorgabe bedeuten Strafsekunden und können unter Umständen über Sieg und Niederlage entscheiden. Noch dazu regnet es leicht. Die Fahrt beginnt, die Fahrzeuge starten  mit fast vollen Batterien (für eine ganze Ladung hat nach der Etappe des Vortages die Ladezeit von 8 Stunden nicht gereicht) und fahren lautlos durch die engen Gassen von St. Moritz. Nach Absprache mit unserem Piloten Fuzzy ist es für mich heute nicht notwendig hinterherzufahren, ich kann mich also ebenfalls auf die Landschaft konzentrieren und fahre direkt zum Zwischenziel, einem Check Point direkt auf dem Julierpass auf ca. 2300 Mt und warte auf das Eintreffen der ersten Fahrzeuge.
Als erstes kommt der Tesla Roadster Sport des Titelverteidiger Tim Ruhoff über den Pass und holt sich den begehrten Stempel ab, es folgen weitere 3 Fahrzeuge bevor endlich auch unser blauer Flitzer über die Kuppe des Passes erkennbar wird. Fuzzy zischt etwas von Kühen auf der Strasse und lässt sich das Fahrtenbuch abstempeln bevor er weiterrauscht. Mehr konnte oder wollte er wohl dazu nicht sagen. Erst beim Mittagessen erfahre ich was er mit den Kühen gemeint hat, ihm haben kurz vor dem Pass ein paar Kühe den Weg versperrt, er musste abbremsen, wichtige Sekunden gehen verloren und am Ende fährt er mit knapp einer Minute Verspätung durchs Ziel.


Nach der Mittagspause geht’s zur letzten Etappe, dem Bernina Pass, ebenfalls etwas über 2300 Mt hoch und recht eng und kurvig. Aus strategischen Gründen haben wir unsere Ladezeit auf 1 Stunde verkürzt (Stromverbrauch zählt bei der Bewertung), die Batterieladung sollte für diese letzten 60 km reichen. Allerdings muss der Anstieg auf den Bernina Pass von ca. 24 Km in genau 30 Minuten absolviert werden, d.h. eine Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 46 km/h, nicht wenig für ein City Car auf einer kurvigen Bergstrasse. Aber die Strecke wird geschafft, die Batterieladung reicht aus und unser Think kommt mit genügend Reserve ins Ziel an der Bob Bahn in St. Moritz um auch noch den anschließenden Konvoi aller Fahrzeuge bin ins Stadtzentrum von St. Moritz auf eigenen Rädern zu schaffen wo die Fahrzeuge für den offiziellen Zieleinlauf vom zahlreichen Publikum empfangen werden.
Am Abend dann die Siegerehrung, bis zu diesem Zeitpunkt wusste niemand auf welchem Platz er gelandet sein würde, hat die Zeit gereicht, wurden keine Fehler gemacht, … endlich die ersten 10 Plätze aufgerufen werden. Der Moderator beginnt mit dem 10ten Platz, 9ten Platz und so weiter.  Unser Name wird nicht genannt. Kann es sein dass wir nicht unter den ersten 10 sind oder haben wir uns wirklich bis unter die ersten 5 vorgearbeitet? Platz 5, ein Tesla mit dem Ex Formel 1 Piloten Eric Comas als Fahrer. Jetzt Platz 4, ein weiterer Tesla … ja ist es denn möglich … 3. Platz, eine Überraschung für alle, der Think City vom Team Autotest Motorsport mit dem Piloten Fuzzy Kofler und seiner Tochter Claudia als Co Pilotin. Die Plätze 2 und 1 gehen im allgemeinen Applaus fast unter, es sind wie zu erwartenwar, die beiden Favoriten vom Vorjahr, das Jetcar und der Vorjahressieger Tim Ruhoff im Tesla Sport.
Dennoch eine Bestleistung vom Team Autotest Motorsport und dem Piloten Fuzzy Kofler und seiner Beifahrerin. Gegen diese Übermacht an Sportwagen einen 3. Platz zu erreichen ist ein einmaliges Gefühl und ein wahrer Grund zu feiern. Aber zuerst noch die freudige Nachricht an meinen Chef Josef Unterholzner als SMS schicken damit auch daheim im fernen Südtirol die Sektkorken knallen können.
Die e-miglia 2011 war anstrengend und turbulent aber in jedem Fall ein unvergessliches Erlebnis. Man hatte die Gelegenheit die Fahrzeuge bis an die Grenzen zu bringen, mit Gleichgesinnten zu diskutieren, Erfahrungen auszutauschen und wichtige Kontakte zu knüpfen. Dabei fand man immer auch ein wenig Zeit die wunderschöne Landschaft der ausgewählten Route zu genießen und das eine oder andere Gespräch mit interessierten Passanten zu führen. Dass wir dabei mit unserem Think City noch ein ausgezeichnetes Ergebnis eingefahren haben lässt die Anstrengungen der letzten Wochen und Tage dann gänzlich vergessen.

 

Christian Frei | Projektmanagement | Autotest AG

Videos:

 

Tag 1:

 

Tag 2:

 

Tag 3:

 

Tag 4:

 

weitere Videos finden Sie hier: www.e-miglia.com

 

Videos und Bilder: © e-miglia 2011/REBEL Media.

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